Archiv für März 2011

Infoladen Darmstadt

Am 19.03.11 hatte der Infoladen_Darmstadt das erste Mal während des Angeschimmelt Youth Crew Festival seine Pforten geöffnet.
Infoladen

In Zukunft werdet ihr uns öfters auf Konzerten und Veranstaltungen treffen.
Unser Sortiment enthält neben Buttons und Aufnähern vor allem anarchistische und andere linke Broschüren, Zeitschriften und Bücher.

Wenn ihr neugierig seid und mitarbeiten wollt, kommt zu einem unserer offenen Treffen. Die Termine erfahrt ihr auf dem Blog (wird noch etwas überarbeitet).
Wir freuen uns auf euren Besuch!

GALIDA Prozess

GALIDA Prozess in Darmstadt vom 21.03.2011

Wie sich wohl noch die meisten erinnern können, wetterte Guido Westerwelle im Frühjahr 2010 mit dem Satz „Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein“ gegen Arbeitslose. Davon angespornt, besuchten Aktivist_innen der „Gewerkschaftlichen Arbeitsloseninitiative Darmstadt“ (kurz GALIDA) als Römer verkleidet am 3. März 2010 die Geschäftsstelle der FDP in Darmstadt, um dort ein Gelage zu feiern. Unter dem Motto „Omnia omnibus ubique“ (was übersetzt „Alle Dinge für alle Menschen überall“ bedeutet) besuchten sie, mit Champagner und Hühnchenbrust bewaffnet, die Geschäftsstelle, um sowohl auf, als auch unter den Tischen zu feiern. Echt spätrömische Dekadenz eben. Wie zu erwarten war, waren die FDPler davon weniger begeistert und riefen die Polizei, um dem frohen Treiben in ihren Hallen ein baldiges Ende zu setzen. Dies geschah dann auch, wie es geschehen musste, allerdings war das noch lange nicht alles, was die Menschen der FDP zu bieten hatten und so wurden Anzeigen gegen die Aktivist_innen der GALIDA gestellt. Anzeigesteller und auch vorgeladener Zeuge im späteren Prozess, war Leif Blum, was insofern wichtig und auf lächerliche Art und Weise witzig ist, da Leif Blum am besagten Tag des Besuchs noch nicht einmal in der Geschäftsstelle anwesend war. Der Prozess wegen Hausfriedensbruch folgte über ein Jahr später, am 21.03.2011. Ab 9 Uhr mobilisierte die GALIDA zu einer Protestkundgebung gegen diese komödienhafte Verhandlung. Es waren über 50 Leute anwesend, darunter Leute der Partei „Die Linke“, Ver.di, Presseleute und einige Sympathisanten. Es wurden Solidaritätsbekundungen verlesen, darunter die Mitteilung österreichischer Sympathisanten, die, orange bemützt, vor der deutschen Botschaft eine Orgie nach deutsch-römischen Vorbild hielten. Desweiteren gab es prominente Gesandte aus dem weit entfernten Gallien, denn Asterix, Obelix und Miraculix kamen um ihren Protest mit einem, in der Historie noch nie dagewesenen, gallisch-römischen Bündnis kundzutun. Zur allgemeinen Stärkung und unter dem Motto „Sacrilegia minuta puniuntur, magna in triumphis feruntur“ (was, wahrscheinlich etwas zu frei übersetzt, so viel bedeutet wie: „Die Kleinen werden bestraft, die Großen lässt man gehen“) wurde der berühmte Zaubertrank ausgeschenkt. Mit dieser Stärkung, ging es dann gegen 10 Uhr in Saal 3 des Darmstädter Gerichtes (aufgrund des großen Besucher-/GALIDA-Sympathisanten Andrangs wurde die Verhandlung in den größten Raum verlegt), in dem schon nach kurzer Zeit kein Platz mehr zu finden war und somit viele Interessierte gar nicht erst in den Verhandlungssaal kamen. Zur Verhandlung an sich ist nicht viel zu sagen, allerdings ist es witzig, beziehungsweise interessant, dass der FDP-Geschäftsführer Günter Hartel, der als einziger vorgeladener Zeuge bei besagtem Besuch überhaupt anwesend war, unentschuldigt nicht zum Prozess erschienen ist. Auch Leif Blum konnte ihn nicht auftreiben und so wurde er zu einem Ordnungsgeld von 150€, sowie den Kosten für den zweiten Verhandlungstag verurteilt. Der Richter bot an, dass der Prozess beendet sei, sofern die FDP den Strafantrag zurückziehe. Dies lehnte Leif Blum allerdings „aus grundsätzlich rechtsstaatlichen Erwägungen“ ab und so endete der erste Verhandlungstag ergebnislos (die einzige Folge dieser lächerlichen Aktion, wird weiterer Stimmenverlust der FDP sein). Es bleibt also interessant, wie dieser Prozess endet. Dieser Bericht wird nach dem zweiten Verhandlungstag, der am 4. April sein wird, fortgesetzt.

Bleibt zu sagen

Omnia omnibus ubique – für die soziale Revolution!

Demo für ein selbstverwaltetes Jugen- und Kulturzentrum

Wir unterstützen das Anliegen des Jukuz Bensheim e.V.
Her mit dem Jugend- und Kulturzentrum
… sofort!

Am 19.03. um 16:00 Uhr veranstalten wir eine Demonstration in Bensheim gegenüber dem Bahnhof auf dem Sparkassenvorplatz.

Am 16.03. findet im Alten Faktoreikeller (ebenfalls Bensheim) eine Info- und Mobilisierungsveranstaltung zur Demo am 19. (s.o.) Es wird einen Inputvortrag über selbstverwaltete Jugendzentren im Saarland geben. Beginn ist um 19:00 Uhr.

Hier der Aufruf für die Demo (&Infoveranstaltung):

Stadt Bensheim

Das Bensheimer Stadtbild ist geprägt von jungen Menschen, die dort wohnen, tagtäglich nach Bensheim pendeln, um eine der vielen weiterführenden Schulen zu besuchen oder dort auch ihre Freizeit verbringen. Doch außer dem sogenannten Juz am Bahnhof gibt es hier wenig offene Treffpunkte für diese über 10000 Schüler_innen. Dieses, von der Stadt verwaltete Juz, ist jedoch auf eine Zielgruppe unter 15 Jahren ausgelegt und bietet darüber hinaus keine Möglichkeit zur Mitgestaltung. Außerdem stellt dieser Raum aufgrund seiner Aufmachung und seines Standorts eine unattraktive Lösung dar, weshalb er auch selten genutzt wird. Diverse Kneipen und schicke Cafés zieren zwar das Stadtbild,doch sind diese oftmals nicht im Rahmen des Budgets der Jugendlichen. Diese Form von Konsumzwang bestimmt die Art und Weise, wie der Nachmittag gestaltet wird.
Partylocation und Jgendforum

Thorsten Herrmann, Bürgermeister der Stadt Bensheim (CDU) und Matthias Schimpf, Stadtrat der Grünen Liste Bensheim, luden zwischen 2007 und 2010 zu verschiedenen Jugendforen ein, bei denen die Bedürfnisse der Bensheimer Jugendlichen zum Ausdruck kommen sollten. Über einen Zeitraum von zwei Jahre hinweg wurde während dieser Treffen über ein Jugendzentrum diskutiert.

Im Laufe der Diskussion wurde von Herrn Schimpf und der »Jungen Union Bensheim« der Vorschlag für eine Partylocation in Bensheim eingebracht. In einer Art städtischen Diskothek sollten Jugendliche gelegentlich feiern dürfen. Um die Kosten für so eine Ort möglichst gering zu halten, sollten keine Pädagog_innen eingestellt, nicht einmal ein pädagogisches Konzept erarbeitet werden. Es ist also nicht verwunderlich, dass dieser verkürzten Vorschlag nach einen halben Jahr aus den Planungen verschwand. Weitere Jugendforen fanden nach dem Scheitern dieser Gespräche aus uns unbekannten Gründen nicht mehr statt.
Dialog als Waffe

Scheinbare Partizipationsmöglichkeiten wie die sogenannten »Jugendforen« werden gerne von Bürgmeister_innen und Stadtverordnet_innen genutzt, um ihre Bürger_innenähe auch für Jugendliche darzustellen. Häufig dienen diese allerdings nicht dazu die Meinungen der Jugendliche in das politische Geschehen der Stadt einzubinden, sondern lediglich als Legitimation für die städtische Jugendpolitik. Der Bürger_innen und der Öffentlichkeit wird auf diese Weise vermittelt, dass es keine Probleme für Jugendliche gibt.

Partizipation von Jugendlichen sollte ernst gemeint sein. Jugendliche brauchen Zeit, Raum und Verantwortung, um ihre Interessen artikulieren zu können. Es ist logisch dass Jugendliche wenige Möglichkeiten haben ihre Wünsche ernsthaft zu äußern, wenn es offensichtlich ist, dass die Stadt eigentlich kein ernsthaftes Interesse an ihren Ansichten und Bedürfnissen hat.
Forderungen

Wir wollen nicht länger hin gehalten werden. Seit über 10 Jahren gibt es kein geeignetes Jugendzentrum in Bensheim. Daher soll schnellst möglich ein Objekt gefunden werden, dass zu einem Jukuz umgebaut wird. Dies soll eine städtische Grundfinanzierung erhalten. Für genauso wichtig erachten wir, dass das Jukuz in Selbstverwaltung organisiert wird. Wir wollen selbst bestimmen wie das Leben in diesen Räumen gestaltet wird.

Wir wollen ein Jugendkulturzentrum, in dem Freizeit ohne Konsumzwang möglich ist. In letzter Konsequenz ist uns wichtig zu betonen, dass der Diskurs um ein Jugendzentrum als bestes Beispiel dafür dienen kann, dass die Bedürfnisse der Jugendlichen in Bensheim täglich untergraben werden. Daher fordern wir, dass wirkliche Partizipationsmöglichkeiten geschaffen werden, in denen Jugendlichen selbstorganisiert ihre Interessen äußern können.